Gespräch mit Sergej Saposchnikow (Geschäftsführer Gesellschaft Felicitas), Tatjana Gusewa (Schulleiterin) am 21.03.2026

 

Was gibt euch in der derzeitigen Situation Kraft?

Sergej antwortet, dass der Gedanke, dass die Schule geschlossen wäre und die Eltern mit ihren Kindern allein sitzen würden, zur Weiterarbeit motiviert. Über 30 Jahre geleistete Arbeit in der Gesellschaft Felicitas und die dankbaren Reaktionen der Eltern geben Kraft. Tanja richtet den Dank aller Mitarbeiterinnen der Schule für die Unterstützung durch Gebete, gute Gedanken, Hilfsmittel und Geld aus. Das gibt ihnen Kraft. Tanjas Sohn ist an der Front gefallen. Gott und Gebete helfen ihr. Die Arbeit mit den Kindern gibt ihr Kraft und ebenso die Freunde in der Ferne motivieren. Man kann sich jeder Zeit an den Förderkreis Sumy-Hilfe wenden und bekommt Unterstützung. Derzeit stellen sie in der Schule Kerzen und Tarnnetze für die Armee her. Studenten aus der Uni unterstützen in der Schule. Tanja hält Vorlesungen in der pädagogischen Universität in Sumy.

Wie funktioniert der Online-Unterricht?

Die Schule ist montags bis freitags offen. Dienstags und donnerstags werden Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern in die Schule gefahren. Der Online-Kontakt besteht zu den Schülern und zu den Eltern. Die Lehrerinnen geben den Eltern Hinweise, die sie ausführen. Früher war die Schule in der Ferienzeit im August geschlossen. Jetzt wird das ganze Jahr durchgearbeitet, um den Kontakt zu halten.

Gibt es neue Schülerinnen und Schüler oder neue Mitarbeiterinnen?

Im Laufe der vier Kriegsjahre kamen 10 neue Kinder in die Schule. Einige Schüler sind verstorben, manche leben mit ihren Familien im Westen der Ukraine oder im Ausland. Auch bei den Mitarbeiterinnen gab es Wechsel. Jetzt arbeiten in der Schule 13 Personen. Alle fünf Jahre müssen die Mitarbeiter eine umfassende Weiterbildung mit Seminaren und Trainings absolvieren. Zwei Universitäten schicken ihre Studenten in die Glinka-Schule. Alles, was in den Räumen der Schule zur Verfügung steht, wird genutzt. Die Zusammenarbeit mit Irina, der Leiterin des Kindergarten 34, ist sehr gut.

Wie ist die Situation in der Stadt?

Nahrungsmittel gibt es zu hohen Preisen zu kaufen. An Sergej hat sich in der letzten Zeit niemand mit der Bitte um Unterstützung aus dem Medikamentenfonds gewendet. Ca. 400 000 Ukrainer sind in das Land zurückgekehrt. Der Frontverlauf befindet sich ca. 20 km von Sumy entfernt. Viele Flüchtlinge kommen nach Sumy. Drohen und Bomben überfliegen die Stadt und geben keine Ruhe. Die Lage der Stadt Sumy ist so, dass alle Drohnen- und Raketenüberflüge über die Stadt gehen und damit mehrmals täglich Luftalarm besteht. Die Preise sind immens gestiegen, besonders auch für Kraftstoff. Sergej betont: „Wir warten auf unseren Sieg!“

Gibt es Änderungen in der Sozialgesetzgebung?

Es gibt keine neuen Gesetze in der Ukraine. Wie jedes Jahr fand auch diesmal die Projektausschreibung für die Finanzierung der Schule statt. Sonst war immer die Finanzierung der Gehälter ab Februar des Folgejahres gesichert. Diesmal gibt es voraussichtlich erst ab März die Zusage der Finanzierung. (Anmerkung: Diese Finanzierungslücke schließt der Förderkreis. Im Jahr 2026 betrifft das die Monate Januar bis März.) Die Gehälter der Lehrer sind um 40 %, die der Sozialpädagogen um 250 % erhöht worden. Aber die Inflation braucht alles auf. Sergej ist Vizevorsitzender in der in der landesweiten Kommission zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention. Auf dem Papier ist alles perfekt, aber die Realität sieht anders aus. Die Konvention wurde vor 8 Jahren unterschrieben und bisher nicht umgesetzt.

Wie ist der Zustand des Busses für die Schülerbeförderung?

Der Bus wird oft repariert und fällt fast auseinander, aber er fährt noch. In nächster Zeit wird ein Ersatz gebraucht.

Sergej schließt mit den Worten: „Wir danken euch für die Spenden, eure Hilfe und dass ihr da seid. Ich übermittle die gesammelten Dankesworte von Felicitas. Es ist so wichtig zu wissen, dass man nicht alleine ist. Ohne euch wären die behinderten Kinder und ihre Familien allein. Wir wünschen euch Gesundheit!“

Und Tanja schließt sich an: „Seit 31 Jahren bin ich dabei. Alle vom Team der Schule bedanken sich auch im Namen der Eltern und Kinder. Wir lieben euch!“

Tanja und Sergej werden mit guten Wünschen von der Versammlung verabschiedet.